Da mochten Philip und Moritz Lamkemeyer nach Spielschluss gemeinsam mit ihrem Vater noch so kontrovers einzelne Spiel- und Zweikampsituationen diskutieren – über den gerechten Ausgang des Kreisderbys in der Fußball-Oberliga zwischen dem TSV Victoria Clarholz und dem SC Verl II gab es unter allen Beteiligten keine Zweifel. Und dass Philip nach dem Verler 3:1-Erfolg im Hinspiel durch das gestrige 2:1 (1:0) in der Torbilanz gegenüber seinem Bruder mit einem Treffer im Rückstand liegt, spielte eh keine Rolle: „Sieg ist Sieg“, stellte der Victoria-Lamkemeyer das Wesentliche dieser Auseinandersetzung heraus.
So beglückwünschte am Sonntagnachmittag auch Verls Trainer Przemek Capp seinem Clarholzer Kollegen Christian Lichte zu einem verdienten Sieg, auch wenn ihm diese Erkenntnis angesichts einer ungewöhnlich schwachen Leistung seiner Mannschaft vornehmlich in der ersten Halbzeit sichtlich schwerfiel. „Da fehlt mir jegliche Erklärung“, bemängelte der Verler Coach eine „gefühlt 90-prozentige Fehlpassquote.“ Zusätzlich monierte Przemek Czapp, dass seine Spieler den Gegner immer wieder zu Standards einluden, „obwohl jeder weiß, wie stark die Clarholzer bei Eck- und Freistößen agieren.“ Diese beiden gravierenden Mängel führten auch zu den beiden Toren der Victoria.
Bereits nach vier Minuten erlaubte sich Drittliga-Leihgabe Konstantin Gerhardt einen fatalen Rückpass auf Sergio Gucciardo, und der schoss die Victoria nach kurzem Sololauf mit seinem elften Saisontreffer 1:0 nach vorne. Das 2:1 durch Julian Linnemann nach einem Eckstoß durch Sergio Gucciardo fiel erst in der 90. Minute sehr spät, war jedoch angesichts weiterer stets Gefahr heraufbeschwörender Eck- und Freistöße durch Gucciardo längst überfällig.
Christian Lichte hatte sein Team in einer 3-5-2-Formation spielen lassen, und diese allein schon zahlenmäßige Überzahl im Mittelfeld nutzten die Gastgeber zusätzlich mit einer glänzenden Zweikampfquote aus, um jegliche Verler Offensivaktivitäten im Keim zu ersticken. So war das frühe Führungstor nur der Auftakt zu einer von den Clarholzern erstaunlich dominant geführten ersten Halbzeit. Die größte Chance, auf 2:0 zu erhöhen, vergab René Michen in der 19. Minute, natürlich im Anschluss an einen Gucciardo-Freistoß. Victoria-Keeper Nils Hahne musste nur einmal eingreifen, als Furkan Yilmaz aus 20 Metern zum Abschluss kam.
In der zweiten Halbzeit entwickelten die Gäste mehr Gegenwehr, mussten aber erst eine weitere Kopfballchance für Julian Linnemann und Steffen Brück nach einem Eckstoß überstehen (59.), bevor Isaak Nwachukwu im Gegenzug mit einem Pfostenschuss erstmals Verler Torgefahr herauf beschwörte.
Den schmeichelhaften Ausgleichstreffer erzielte Nwachukwu erst fünf Minuten später durch einen Strafstoß, nachdem Steffen Brück den Verler Schützen zuvor gefoult hatte. Victorias Trainer Lichte monierte allerdings zu Recht, dass Schiedsrichter Timo Ebbing (Billerbeck) zuvor ein Foul an einem Clarholzer Spieler nicht geahndet hatte. Der kurz zuvor bereits mit „Gelb“ bestrafte Steffen Brück hatte wiederum Glück, dass ihm nach dem zum Elfmeter führenden Vergehen die Ampelkarte erspart blieb.
Zu den auffälligsten Akteuren beim Derbysieger zählte zweifellos Julian Linnemann, der sich in jedem Zweikampf behauptete und dann noch zum umjubelten Siegtorschützen wurde. „Die Mannschaft ist super drauf und hat einen Lauf“, stellte der Abwehrorganisator persönliche Glückwünsche für eine blitzsaubere Leistung zur Seite, um aber auch einzugestehen: „Wenn ich dann zu einem so wichtigen Sieg beitragen kann, freut mich das natürlich auch.“
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